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Security Lending: Rendite-Booster oder Risiko-Falle? Eine ehrliche Analyse

Aktualisiert: 4. Jan.

Security Lending Rendite Booster

Wie du mit deinen Aktien und ETFs Zusatzrendite erzielst – und welche Risiken du kennen musst


Securities Lending klingt kompliziert. In Wahrheit ist das Grundprinzip sehr einfach. Viele Privatanleger machen dabei sogar schon mit ohne es bewusst zu wissen, vor allem über ETFs.


In diesem Artikel erkläre ich dir:

  • was Securities Lending ist

  • wie es konkret funktioniert

  • welche Chancen es für dich als Anleger gibt

  • welche Risiken real sind – und welche eher theoretisch

  • worauf du achten solltest, wenn du es nutzt oder vermeiden willst


Was ist Security Lending?

Securities Lending bedeutet übersetzt Wertpapierleihe. Ganz einfach gesagt: Du besitzt Aktien oder ETFs. Jemand leiht sich diese kurz aus. Du bekommst dafür eine Gebühr. Später bekommst du dieselben Wertpapiere zurück.


Es ist vergleichbar mit:

  • einer Wohnung, die du vermietest

  • oder einem Auto, das du verleihst


Du bleibst Eigentümer, jemand anderes nutzt den Gegenstand vorübergehend – und zahlt dafür.


Wer leiht sich meine Aktien aus – und warum?

Die Entleiher sind fast immer professionelle Marktteilnehmer, zum Beispiel:

  • Hedgefonds

  • Market Maker

  • Banken

Der häufigste Grund: Leerverkäufe (Short Selling). Dabei setzt jemand darauf, dass ein Aktienkurs fällt.


Beispiel:

  • Ein Hedgefonds glaubt, dass eine Aktie überbewertet ist

  • Er leiht sich die Aktie

  • verkauft sie sofort

  • hofft, sie später günstiger zurückzukaufen

Dafür zahlt er dir eine Leihgebühr.


Wie läuft Security Lending konkret ab?

Als Privatanleger hast du keinen direkten Kontakt mit dem Hedgefonds. Der Ablauf ist immer so:

  1. Du hältst Aktien oder ETFs in deinem Depot

  2. Dein Broker oder der ETF-Anbieter verleiht diese Wertpapiere

  3. Der Entleiher hinterlegt Sicherheiten (Collateral)

  4. Du erhältst einen Teil der Leihgebühr

  5. Nach einer gewissen Zeit werden dir die Wertpapiere zurückgegeben

Wichtig:

  • Du siehst davon meist nichts im Alltag

  • alles läuft automatisch im Hintergrund


Was sind Sicherheiten (Collateral)?

Sicherheiten sind der wichtigste Schutzmechanismus beim Securities Lending.

Bevor jemand deine Aktien bekommt, muss er Sicherheiten hinterlegen:

  • Cash

  • oder sehr sichere Staatsanleihen


Und zwar:

  • mindestens 100 %

  • oft 105–110 % des Werts deiner Aktien

  • mit täglicher Neubewertung


Wenn also jemand Aktien im Wert von CHF 10’000 leiht, muss er Sicherheiten von z. B. CHF 10’500 hinterlegen.


Diese Sicherheiten werden:

  • separat verwahrt

  • nicht Teil des Vermögens des Entleihers

  • im Konkursfall verwendet, um deine Aktien zurückzukaufen


Bekomme ich weiterhin Dividenden?

Ja, auch wenn deine Aktien verliehen sind:

  • bekommst du wirtschaftlich weiterhin Dividenden

  • bei ETFs werden sie ganz normal ausgeschüttet oder reinvestiert

Technisch kann es kleine Unterschiede geben (z. B. sogenannte Ersatzdividenden), finanziell bist du gleichgestellt.


Was bringt mir Securities Lending als Privatanleger?

Zusatzrendite

Der wichtigste Vorteil ist eine kleine Zusatzrendite. Typische Grössenordnungen:

  • ETFs: ca. 0.05 % bis 0.30 % pro Jahr

  • einzelne stark nachgefragte Aktien: teilweise mehr


Das klingt wenig – ist aber:

  • risikoadjustiert nicht schlecht

  • besonders attraktiv bei langfristigem Halten

Bei ETFs senkt Securities Lending indirekt oft die effektiven Kosten.


Security Lending: Kein Mehraufwand

  • kein Handeln

  • kein Timing

  • keine Steueroptimierung notwendig

Du hältst dein Investment – der Rest läuft automatisch.


Warum machen ETFs fast immer Securities Lending?

Die meisten grossen ETF-Anbieter betreiben Securities Lending, weil:

  • ETFs ohnehin langfristig gehalten werden

  • sie sehr breit diversifiziert sind

  • das Risiko gut kontrollierbar ist


Die Einnahmen werden:

  • teilweise an die Anleger weitergegeben

  • teilweise zur Senkung der Gesamtkosten genutzt

Viele Anleger sind deshalb bereits involviert, ohne es bewusst zu wissen.


Welche Risiken gibt es?

Security Lending ist nicht risikofrei. Aber die Risiken sind klar definierbar.


Risiko 1: Der Entleiher geht pleite

Das ist der häufigste Gedanke – und meist kein grosses Problem.

Warum?

  • Es existieren Sicherheiten

  • Diese sind höher als der Wert der Aktien

  • Sie werden verwertet, um deine Aktien zurückzukaufen

Historisch ist dieses Risiko bei grossen Anbietern sehr klein.


Risiko 2: Marktstress + Konkurs gleichzeitig

Ein theoretisches Extremszenario:

  • der Entleiher geht pleite

  • die Märkte bewegen sich extrem

  • Sicherheiten verlieren gleichzeitig stark an Wert


In so einem Fall könnte eine Deckungslücke entstehen.

Wichtig:

  • Das ist möglich

  • aber sehr selten

  • vergleichbar mit systemischen Finanzkrisen


Risiko 3: Broker geht pleite

Das ist für Privatanleger das wichtigere Risiko.

Grundsätzlich gilt:

  • Deine Wertpapiere sind Sondervermögen

  • sie gehören dir, nicht dem Broker

Aber:

  • entscheidend ist, wie sauber Sicherheiten und Bestände getrennt sind

Bei grossen, regulierten Brokern:

  • klare Trennung

  • klare Konkursprozesse

Bei kleinen oder intransparenten Anbietern:

  • höheres operatives Risiko


Risiko 4: Keine Stimmrechte

Während eine Aktie verliehen ist, kannst du nicht an der Generalversammlung abstimmen

Für die meisten Privatanleger ist das irrelevant. Für aktive Aktionäre kann es ein Nachteil sein.


Risiko 5: Psychologischer Faktor

Manche Anleger stört, dass ihre Aktien genutzt werden, um auf fallende Kurse zu wetten

Finanziell ist das neutral. Emotional ist es Geschmackssache.


ETFs vs. Einzelaktien – wo liegt der Unterschied?

ETFs

Vorteile:

  • breite Diversifikation

  • professionelles Risikomanagement

  • viele Entleiher

  • sehr transparente Regeln

Risiko:

  • verteilt

  • gut kontrollierbar

Für die meisten Privatanleger: vernünftig


Einzelaktien

Vorteile:

  • teilweise höhere Leihgebühren

Nachteile:

  • Klumpenrisiko

  • stärkere Abhängigkeit vom Broker

  • weniger Transparenz

Hier lohnt sich mehr Vorsicht.


Sollte ich Securities Lending nutzen – oder deaktivieren?

Das hängt von deinem Profil ab.

Eher sinnvoll, wenn:

  • du langfristig investierst

  • du ETFs hältst

  • du einen grossen, regulierten Anbieter nutzt

  • du kleine Zusatzrenditen schätzt


Eher nicht, wenn:

  • du maximale Sicherheit willst

  • du aktiv Stimmrechte nutzt

  • du dich mit Restrisiken unwohl fühlst

Beides ist legitim.


Wie erkenne ich einen seriösen Anbieter?

Gute Zeichen:

  • klare Aussagen zu Sondervermögen

  • tägliche Bewertung der Sicherheiten

  • Überbesicherung

  • transparente Dokumentation

Warnzeichen:

  • hohe Renditeversprechen

  • unklare Bedingungen

  • wenig Informationen zur Verwahrung


Fazit

Securities Lending ist:

  • kein Hexenwerk

  • keine Geldmaschine

  • aber ein nüchternes Zusatzinstrument


Für die meisten ETF-Anleger gilt: Kleine Zusatzrendite gegen kleines Restrisiko – fairer Deal.

Wichtig ist nicht, ob Securities Lending existiert, sondern wie sauber es umgesetzt ist.



 
 
 

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