Gleiche Japan-Aktien, 95 Prozentpunkte Unterschied: Was der CHF-Hedge bewirkte
- Jeff Haindl, lic. oec, CFA

- vor 11 Stunden
- 6 Min. Lesezeit
Zwei passive ETFs. Gleicher Markt, praktisch gleiche japanische Aktien. Und trotzdem liegen seit Ende 2020 fast 100 Prozentpunkte Performance dazwischen.
UBS Core MSCI Japan UCITS ETF hCHF acc (LU1169821888): +142%
Xtrackers MSCI Japan UCITS ETF 1C (LU0274209740): +47%
Wir haben diese beiden ETFs gewählt, weil sie denselben MSCI-Japan-Index abbilden und über einen ausreichend langen gemeinsamen Track Record seit Ende 2020 verfügen. Der entscheidende Unterschied ist ein unscheinbarer Zusatz im Namen: hCHF (hedged to CHF), also währungsabgesichert.

Der währungsgesicherte Japan-ETF hat seit Ende 2020 +142% gemacht, der ungesicherte nur +47%. Der Grund: Die Yen-Absicherung war für dich als Franken-Anleger praktisch gratis, während der Yen massiv an Wert verlor. Beim MSCI World lohnte sich das Hedging dagegen nicht, weil die hohen Dollar-Zinsen die Absicherung teuer machen.
Warum spielt die Absicherung bei Japan eine so riesige Rolle und beim MSCI World praktisch keine?
Das schauen wir uns jetzt an. Alle Zahlen stammen von justETF (Renditen in CHF, inklusive reinvestierter Dividenden, per 31.07.2026).
Was kostet eine Währungsabsicherung überhaupt?
Ein währungsgesicherter ETF verkauft die Fremdwährung laufend auf Termin, meist über 1-Monats-Forwards. Klingt kompliziert, folgt aber einer simplen Formel. Der Terminkurs ist kein Marktwunsch, sondern Mathematik – er ergibt sich aus dem Spotkurs und der Zinsdifferenz zwischen den beiden Währungen. Merk dir nur diese Faustregel:
Hedging-Kosten pro Jahr ≈ Zinsniveau der Fremdwährung minus Zinsniveau des Frankens
Das Problem daran: Diese Kosten siehst du nirgends. Sie stehen nicht im TER, sondern stecken versteckt in der Performance. Und genau hier trennt sich Japan von den USA.
Fall 1: MSCI World: du bezahlst für eine Versicherung, deren Schaden schon eingepreist ist
Der MSCI World besteht zu rund 70% aus US-Aktien. Wer ihn absichert, sichert also vor allem den Dollar ab. Das Problem: Die US-Zinsen lagen in den letzten Jahren deutlich über den Schweizer Zinsen, zeitweise über 4%. Die Absicherung kostete dich also Jahr für Jahr mehrere Prozent Rendite.
Jetzt sagst du vielleicht: "Aber der Dollar ist doch tatsächlich gefallen!" Stimmt. Seit Ende 2020 rund 9%, also grob 1,5–2% pro Jahr. Trotzdem hat sich die Absicherung nicht gelohnt. Solange die US-Zinsen deutlich höher sind als die Schweizer Zinsen, kostet die Dollar-Absicherung jedes Jahr Geld. Der Dollar müsste stärker fallen als diese laufenden Kosten, damit der Hedge einen Vorteil bringt. Genau das ist über den gesamten Zeitraum nicht passiert.
Die Zahlen (justETF, in CHF):
Jahr | World hedged (IWDC) | World unhedged (SWDA) | Differenz |
2021 | +22,5% | +26,3% | −3,8% |
2022 | −18,3% | −17,0% | −1,3% |
2023 | +17,9% | +12,4% | +5,5% |
2024 | +16,5% | +28,3% | −11,8% |
2025 | +13,7% | +6,0% | +7,7% |
2026 (bis 31.7.) | +7,8% | +12,7% | −4,9% |
Gesamt (Ende 2020 – 31.7.2026) | +68% | +81% | −13% |
Einzelne Jahre schlagen mal in die eine, mal in die andere Richtung aus. 2025 brachte dir der Hedge fast 8%, das Dollar-Comeback 2024 kostete dich aber fast 12%. Unter dem Strich hat die Absicherung beim MSCI World aber Geld gekostet: +68% statt +81%. Über noch längere Zeiträume (Dez. 2012 – Mai 2025, US-Aktien) sieht es gleich aus: unhedged in CHF +227%, CHF-hedged nur +200%.
Fall 2: Japan - eine fast gratis Versicherung gegen einen Schaden, der tatsächlich eintrat
Beim Yen war die Ausgangslage komplett anders. Die Bank of Japan hielt ihre Zinsen bis 2024 bei null oder sogar im Minus und teilweise unter den Schweizer Zinsen. Die Konsequenz: Die Yen-Absicherung kostete praktisch nichts. In den Jahren 2022–2024, als die Schweizer Nationalbank bei 1,00–1,75% lag und die BoJ bei −0,1%, hast du am Hedge sogar etwas verdient.
Gleichzeitig stürzte der Yen ab. Viel stärker, als es die winzige Zinsdifferenz je eingepreist hätte: Ein Franken kaufte Ende 2020 rund 117 Yen, heute rund 196 Yen. Der Yen verlor damit rund 40% gegenüber dem Franken, getrieben von der ultra-lockeren Währungs-Politik der Japanischen Zentralbank und massiven 'Carry Trades', bei denen weltweit Yen verkauft wurden, um Anlagen in höher verzinsten Währungen zu kaufen.
Mit dem gehedgten ETF hast du also die volle japanische Aktien-Rally in Franken mitgenommen, ohne den Yen-Verlust. Und dafür fast nichts bezahlt:
Jahr | Japan hedged (UBS hCHF) | Japan unhedged (Xtrackers) | Differenz |
2021 | +12,6% | +5,5% | +7,1% |
2022 | −5,4% | −16,0% | +10,6% |
2023 | +28,6% | +9,1% | +19,5% |
2024 | +21,9% | +17,0% | +4,9% |
2025 | +24,2% | +9,0% | +15,2% |
2026 (bis 31.7.) | +16,9% | +19,5% | −2,6% |
Gesamt (Ende 2020 – 31.7.2026) | +142% | +47% | +95% |
Das ist kein Rundungsfehler, das ist ein anderes Investment.
Die eigentliche Lektion: Es geht um den Preis der Versicherung, nicht um die Währungsprognose
Ob sich Hedging lohnt, entscheidet am Ende eine einzige Frage: Wertet die Fremdwährung stärker ab, als es die Zinsdifferenz impliziert?
Dollar: Hohe Zinsdifferenz = teure Versicherung. Die tatsächliche Abwertung entsprach ungefähr diesen Kosten. Netto hat dir der Hedge nichts gebracht – langfristig hat er gekostet.
Yen: Zinsdifferenz nahe null = Versicherung fast gratis, zeitweise wurdest du fürs Versichern sogar bezahlt. Die tatsächliche Abwertung war massiv. Netto ein Volltreffer.
Anders gesagt: Beim Dollar bezahlst du wegen der höheren US-Zinsen laufend für die Absicherung. Damit sich das lohnt, muss der Dollar stärker fallen als diese Absicherung kostet. Beim Yen war die Absicherung dagegen fast gratis und schützte dich vor einem massiven Währungsverlust. Wie das das Hedging bei einem ETF funktioniert, haben wir in einem 5-minütigen Video einfach erklärt. Den Link findest du weiter unten.
August 2026: USA und Japan stützen den Yen. Eine Stabilisierung im gemeinsamen Interesse
Anfang August 2026 ist etwas Bemerkenswertes passiert: Das US-Treasury hat gemeinsam mit dem japanischen Finanzministerium direkt am Devisenmarkt interveniert und Yen gekauft - die erste gemeinsame Yen-Stützung der beiden Länder seit 1998. Das Treasury verkaufte dafür über den Exchange Stabilization Fund Euro im Umfang von geschätzt 5–10 Milliarden Dollar. Der Yen war zuvor zeitweise auf rund 164 pro Dollar gefallen und erholte sich im Zuge der Intervention auf etwa 157–158.
Das ist weniger eine Kehrtwende als eine Stabilisierung im ureigenen US-Interesse: Japan ist der grösste ausländische Gläubiger der USA, und der Yen-Carry-Trade ist eine tragende Säule der Nachfrage nach US-Staatsanleihen. Müsste Japan die Zinsen kräftig erhöhen, um die vom schwachen Yen importierte Inflation zu bekämpfen, könnte sich der Carry Trade auflösen und ein grosser Käufer der US-Schulden fiele weg. Das würde zu weiteren Zinserhöhungen in den USA führen und die US-Wirtschaft schwächen.
Die Intervention erlaubt Japan also, den Yen zu stützen, ohne die Zinsen erhöhen zu müssen, zumindest vorläufig.
Schulden vs. Zinsen: Japan als 'Outlier'
Warum wurde der Yen überhaupt so schwach, dass zwei Regierungen eingreifen mussten? Ein Chart, bringt es auf den Punkt: der Vergleich zwischen Staatsverschuldung und Zinsniveau. Normalerweise gilt: je höher die Schuldenquote, desto höhere Zinsen verlangt der Markt. Japan bricht diese Regel komplett:

Japan hat mit über 200% des BIP die mit Abstand höchste Schuldenquote der Industrieländer, zahlt aber nur rund 2,8% auf 10-jährige Anleihen. Weniger als Deutschland, mit einem Drittel der Schuldenquote. Möglich ist das nur, weil die Bank of Japan als permanenter Grosskäufer die Renditen künstlich tief hält.
Das Ventil für diesen unterdrückten Druck war jahrelang die Währung: Wenn die Zinsen nicht steigen dürfen, wertet stattdessen der Yen ab. Genau diese Abwertung machte den CHF-Hedge so wertvoll und sie erklärt, warum die USA und Japan jetzt am Devisenmarkt intervenieren, statt das eigentliche Problem (Rekordverschuldung) zu lösen.
Und jetzt? Gilt das auch für die Zukunft?
Die Konstellation hat sich verschoben: Die Bank of Japan hat den Leitzins schrittweise auf 1.25% erhöht, die SNB steht seit Juni 2025 bei 0%. Die Yen-Absicherung kostet dich heute also erstmals seit Jahren wieder etwas - rund 1.25% pro Jahr. Dazu ist der Yen real handelsgewichtet historisch billig, und mit der Intervention stemmt sich jetzt auch die Politik gegen eine weitere Abwertung. Der Gratis-Hedge mit Riesenwirkung der Jahre 2021–2025 war eine spezielle Episode, aber auch im jetzigen Zinsniveau ist der Währungshedge noch sehr günsitg.
Was heisst das für das STUZZ-Portfolio? Wir halten bis auf weiteres am gehedgten MSCI Japan fest, beobachten natürlich die Entwicklung in Japan.
Und Gold? Die Intervention hat das grundlegende Problem jedoch nicht gelöst: Japan bleibt hoch verschuldet, während die Zinsen politisch und geldpolitisch möglichst tief gehalten werden sollen. Solche Eingriffe erinnern Anleger daran, dass Staaten ihre Schuldenprobleme zunehmend über tiefe Realzinsen und schwächere Währungen abfedern könnten. Gold profitiert als nicht beliebig vermehrbarer Vermögenswert von genau diesem Vertrauensverlust und der Goldpreis ist seit der Intervention wieder gestiegen.
Zusammengefasst
Hedging-Kosten = Zinsdifferenz. Bevor du einen 'hedged'-ETF kaufst, prüfe, wie gross die Zinsdifferenz zur Fremdwährung aktuell ist. Im TER siehst du diese Kosten nicht.
Bei Tiefzinswährungen wie dem Yen der letzten Jahre ist die Absicherung fast gratis. Das Chancen-Risiko-Verhältnis des Hedges ist attraktiv - genau das brachte +142% vs. +47%.
Bei Hochzinswährungen wie dem Dollar ist die Absicherung teuer. Damit sich der Hedge lohnt, muss die Fremdwährung stärker fallen als die laufende Absicherung kostet. Beim MSCI World war das über den betrachteten Zeitraum nicht der Fall.
Langfristig ist das Währungsrisiko bei global diversifizierten Aktienportfolios ein Nebenschauplatz. die Hedging-Kosten dagegen fallen sicher und jedes Jahr an.
👉 Mehr zum Thema Währungsabsicherung findest du in unserem YouTube-Video zu FX-Hedging. Abonniere den STUZZ-Kanal auf YouTube. Wir werden in Zukunft mehr dazu posten.



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